Januar

Der Januar steht doch irgendwie immer für einen neuen Anfang, einen kleinen Kick, der uns überkommt mit Vorhaben, mit neuer Motivation, frischer Energie.

So gings mir dann auch auch den ganzen ersten Monat des Jahres… Voller neuer Energie! Nachdem ich im Dezember ja leider meinen Knöchel verletzt habe und das anscheinend eine etwas länger andauernde Geschichte ist, war ich mir nicht so sicher wie das lang ersehnte Skifahren klappen wird. Aber ganz ehrlich, ein Skischuh ist wahrscheinlich 10mal stabiler als ein Gips 😉 Also hab ich natürlich nicht lange gewartet, sondern mich direkt am 1. Januar auf die Skier getraut.

Was ein Luxus: Das Skigebiet so nah zu haben. Es ist ganz ungewohnt, nicht für eine Woche am Stück Ski zu fahren, und das wars dann für das Jahr- Nein, jetzt können wir einfach immer nach Lust und Laune ab in die Berge. 🙂 Außerdem bin ich im Snow Team meiner Schule, was heißt dass ich jeden Samstag den ganzen Tag mit lauter Freunden auf den Skiern bin.

Während den 3 Wochen Winterferein habe ich einen kleinen Ausflug nach Sun Valley gemacht, zusammen mit Maria aus Dänemark und ihrer Gastfamily. Sun Valley ist DAS Luxus- (Ski)Resort, und so ziemlich alle großen amerikanischen Namen lassen sich dort regelmäßig blicken. Wir durften also ein Wochenende bei Familienfreunden verbringen, die ein rieeesiges Traumhaus in wunderschöner Lage haben, und wirklich super lieb sind. Mal wieder ein Beispiel der Gastfreundschaft und Offenheit, die ich hier so oft erlebe!

 

Okay, klingt ziemlich gut bisher oder? Ja, natürlich hat dann auch der Ernst des Lebens wieder angefangen… Wie in meinem letzten Post berichtet, geht es ja garnicht so ernst zu 😉 Aber man kennt das ja, nach längerer Zeit ohne geregelten Alltag ist das erstmal wieder ne Umstellung haha!

Für mich war der Januar aber irgendwie ein großer Schritt. Er steht nicht nur für einen Neuanfang, ein neues Jahr voller Abenteuer; für mich bedeutet er dieses Mal auch HALBZEIT! Ja, tatsächlich bin ich jetzt schon über ein halbes Jahr weg von Zuhause. An manchen Tagen fühlt es sich an, als wär eine Ewigkeit vergangen seit ich in den Flieger gestiegen bin. Und an anderen Tagen wache ich auf und muss mich immer noch kneifen, um alles zu realisieren.  Eine schlaue App auf meinem Handy verrät mir, dass ich heute 185 Tage in Amerika bin. Und in 144 Tagen wieder deutschen Boden unter den Füßen haben werde.

 

Ganz ehrlich, ich freu mich wie verrückt. Ihr alle, die mich hier so fleißig verfolgt, meine Familie, meine Freunde. Zuhause. Alles ist wieder zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder der Bahn zu erreichen. Deutsches Brot. Mein eigenes Bett. Gerüche, Gefühle, Gedanken.

Ganz ehrlich, ich hab total Angst. Wie sagt man Auf Wiedersehen zu jemandem, wenn man nicht mal weiß ob und wann man sich wiedersehen wird? Wie verlässt man Familie, ohne das Wissen, sie in 10 Monaten zurück zu haben? Ich werde zurückkommen. Das weiß ich. Aber genauso weiß ich, dass es nie wieder so wird, wie es gerade ist.

Und ein bisschen was von allen meinen Erlebnissen, Gedanken, Gefühlen, wird für immer meins sein. Ich teile Bilder, Text hier, zum Teil kenne ich Euch, die das gerade lesen, nicht mal persönlich. Ich schreibe täglich mit lieben Leuten, die mich fragen wie es mir geht. Was ich so mache. Wie läufts denn so? Gibts irgendwas Neues?

Und ich freue mich über all das. Ich bin so dankbar, für Euch, die sich überhaupt für mein Geschwafel interessieren, für Alle, die mir schreiben und an mich denken. Aber es ist so schwer, alle Details zu erzählen. Und man will ja auch niemanden langweilen, mit jedem kleinen Pups der hier täglich so passiert. Und manchmal verliert man auch einfach den Überblick, wem man was schon erzählt hat. Manches kann man einfach nicht in Worte fassen, egal wie sehr man es versucht. Manches wird einfach nur in meinem Herzen bleiben, eine Erinnerung die ich nur mit mir selber teile.

 

Ich glaube, das ist, was sich für uns ‚Austauschschüler‘ verändert. Wir kommen nachhause, wir sind immer noch dieselbe Person, haben uns für die Außenwelt vielleicht garnicht so sehr verändert, aber wir haben alle diese Erinnerungen, Momente, Gefühle in uns. Manches wird verblassen, genauso wie ein altes Foto mit der Zeit vergilbt, Details verliert. Und manches wird bleiben, als hätte man es erst gestern erlebt. Wir sind reich, eich an Erinnerungen.

Ich wünschte man könnte alles das irgendwie teilen, übermitteln. Aber vielleicht ist es gut so, das noch niemand eine Methode dafür entwickelt hat! Wir müssen uns trauen, den Schritt ins Flugzeug wagen und einfach mal machen, anstatt immer nur darauf zu warten, dass sich etwas verändert. Und dann passiert es ganz von selbst, man muss nichts dafür machen. Ein Reichtum der kommt, wenn man bereit ist auch mal einen Schritt in die falsche Richtung zu machen. Am Ende bereuen wir nicht die Schritte, die wir gewagt haben. Sondern die, die wir nicht gemacht haben.

 

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3 Gedanken zu “Januar

  1. Liebste Vera- zack, ein neuer Beitrag und zack, ein neuer Kommentar von Deinem größten Blogfan…hey, so philosphisch! Deine Worte klingen sehr nachdenklich und – blöder Erwachsenenkommentar, sorry- so reif…mein großes Kind, wie sehr Du Dich auch immer verändert hast, ich nehm Dich so wie du bist und werde staunen! Ich füge also Folgendes meinem letzten Kommentar (bezüglich deiner englischen Literaturkenntnisse) bei: ich beneide Dich außerdem um Deinen Mut, diesen großen Schritt vom Einstieg in den Flieger hier in Ffm. bis zu allen darauf folgenden Schritten in einem Dir völlig unbekannten Land gemacht zu haben! Zum „Neid“ gleich noch diesen wunderbaren Satz von Wilhelm Busch: Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung!
    Ich liebe Dich!
    Und Dein Papi lässt fragen, ob Du auf seiner Homepage das Neujahrsbild gesehen hast- ich denke, er hätte gerne Deinen Foto-Fachkommentar dazu…!!
    Love, MamS

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  2. Liebe Vera, deine Berichte sind einfach umwerfend geschrieben. Man könnte meinen du studierst dort Kommunikationswissenschaften und Journalismus.
    Doch heute möchte ich dir einen Spruch da lassen, der mir beim Lesen der letzten beiden Beiträge sofort in den Sinn kam:

    Traveling. It leaves you speeghless, then turns into a storyteller.

    Ich freue mich auf immer neue Berichte und danke dir sehr. Herzliche Grüße!

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